Stets gibt´s was Neues...

 

Diese Vorstellung ist für mich wahrlich erschreckend. Ich habe mir noch nicht die Zeit genommen, die weiten Welten des Internets nach einem solchen Angebot zu durchforsten - vielleicht auch aus Angst, fündig zu werden ?!?

Viele, die diesen Artikel jetzt lesen, werden denken, daß wir - oder besser, ich - vielleicht rückständig sind in unserem Gedankengut. So richtige Hinterwäldler, eben.

Ich denke, daß wir dies nicht sind. Es gibt gerade in der Gastronomie viele Einflüsse, denen man ständig ausgesetzt ist und die man eben prüfen muss. Vor Jahrhunderten kam der Kaffee zu uns nach Westeuropa - heute werde ich ohne Kaffee nicht mal mehr wach. Pfeffer ist ein so selbstverständliches Gewürz in unseren Küchen, daß es - außer in Süßspeisen - wirklich fast überall drin ist. Früher wäre dies ein regelrechter Reichtumsbeweis gewesen !

Nein, mir geht es eher um dieses auffallen um jeden Preis. Muß die Gans jetzt mit Zitronengras gefüllt werden, bloß weil gerade asiatisch "in" ist ? Brauchen wir jetzt alle "southern rim" cuisine, damit asiatische Lebenskunst und Australiens Weite auch auf uns seinen Schatten wirft ?

Es gibt mittlerweile neue Berufe, wie zum Beispiel den "Food-scout". Der ist auf der ganzen Welt unterwegs und sucht neue Lebensmittel, die der Rest der Welt noch nicht kennt. Dazu fällt mir die wunderschöne Komödie "Das Beste kommt zum Schluß" mit Jack Nicholson ein - der als Milliardär seinen Kopi Luwak - Kaffee so liebt, bis er erfährt, wie dieser Kaffee entsteht ;-) .

Meine Frage ist einfach : Brauchen wir das wirklich ? Sind wir mittlerweile so arm an Geschmack und an Genuß, daß wir unser Essen aus dem Regenwald importieren müssen ?

Ich glaube nicht ! Wer noch die ganz einfachen Genüsse kennt, wer schonmal auf einer Alm ein Stück Käse gegessen hat, ein Glas Milch direkt von der Kuh ( ohne Angst vor Ansteckung, Krankheiten und wer weiß was noch !), ein Brot ohne Zusatzstoffe und ein Stück Fleisch, das beim braten nicht zusammenschnurrt, der weiß, wovon ich schreibe.

Ein weiteres Filmbeispiel hierzu ist "Ratatouille". Die Kindheitserinnerungen des gefürchteten Gastrokritikers wurden wach, als er die Ratatouille zu essen bekommt. Ich kenne dies nur zu gut. Wenn ich ganz ehrlich bin, hab´ ich es nie geschafft, die Spätzle auch nur halb so gut hinzukriegen, wie die meiner Mutter immer geschmeckt haben.

Genauso der Käsekuchen meiner Oma. Da stand ich schon vor dem Backofen und habe darauf gewartet, daß er endlich fertig war ( vielleicht liest dies ja der eine oder andere, der noch vom Käsekuchen meiner Oma kosten durfte ?).

Für mich sind dies die wahren Genüsse - und wenn irgendwann einmal Zitronengras dazugehören sollte, na, dann kommt es eben auch auf meine Liste dieser Dinge.
Aber noch nicht morgen und auch nur vielleicht übermorgen - aber auf gar keinen Fall,
um dem Zeitgeist zu genügen !

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen stets nur wahre Genüsse,

Ihr

Jürgen Katzenmeier