Der wilde Jäger
Hans von Rodenstein, berüchtigt wegen seines wilden Lebens, entdeckte bei einem Turnier in Heidelberg Maria von Hochberg, deren Schönheit ihn so anspornte, daß er das Turnier gewann. Fortan ruhte er nicht eher, bis er sie als seine Frau heimführen konnte.
Nach einer Zeit des geruhsamen Ehelebens begann er jedoch von Neuem sein wildes Tun.

Eingang zum Haupthaus; Federzeichnungvon W.E. Potratz
Maria hoffte, daß das Kind, das sie von ihm in ihrem Leibe trug, seine Art bändigen würde, doch eines Tages kam er in furchtbarem Zorn nach Haus und schrie, er wolle die Burg Schnellerts stürmen, da der Schnellertsherr ihn furchtbar beleidigt habe.
Maria wollte ihn zurückhalten, doch da schlug er sie nur und stürmte von dannen.
Als er vor der Burg Schnellerts im Hinterhalt lag, erschien ihm um Mitternacht seine Frau als Lichtgestalt, die ein totes Knäblein in ihren Armen trug.
Da wurde ihm klar, daß er seine Frau und sein Kind mit einem Schlag getötet hatte.
Doch just in diesem Moment begann der Schnellertsherr einen Gegenangriff, wobei der Rodensteiner erschlagen wurde.
Schon in der nächsten Nacht sahen die entsetzten Menschen einen gespenstischen Reiter durch die Lüfte galloppieren, gefolgt von einer Horde geifernder Hunde.
Seither tobt die wilde Jagd schon seit Jahrhunderten durch die Gegend und kündigt nahendes Unheil wie Kriege oder Seuchen an, indem er mit seinem ganzen Gefolge und mit lautem Hufgetrappel, Hundegebell und Pferdewiehern durch die umliegenden Höfe zieht und dabei so manches Geschirr zerbrach.
Selbst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte man ihn wieder ausziehen gehört, danach ist er aber noch nicht wieder heimgekommen... !